Das Studium der Musikwissenschaft/Musikinformatik


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Das Institut

Seit 2004 existiert an der Hochschule für Musik Karlsruhe eine weltweit bisher einzigartige Einrichtung: das Institut für Musikwissenschaft und Musikinformatik (IMWI). In ihm treffen sich eine eher historisch orientierte und eine mehr in die Zukunft greifende Disziplin im Schnittpunkt Gegenwart. Hervorgegangen ist das IMWI aus einem weniger erfreulichen Ereignis: der Schließung des Instituts für Musikwissenschaft an der Universität (TH) Karlsruhe. Um diese Schließung zumindest teilweise zu umgehen, entwickelte der damalige Leiter des Instituts Prof. Dr. Siegfried Schmalzriedt zusammen mit Prof. Dr. Troge, der an der HfM seit 1993 das Fach Musikinformatik aufgebaut hatte, die Idee, beide Disziplinen zu vereinen und  in einem neuen, an der HfM angesiedelten Institut entsprechende Studiengänge anzubieten.

Die Idee einer institutionalisierten Vereinigung zweier Fächer, die bisher nur getrennt voneinander existierten, konnte schon 2008 einen großen Erfolg verbuchen, als das neue innovative Konzept mit dem Bundespreis »Ausgewählter Ort der Bundesrepublik« ausgezeichnet wurde. Wesentlich für die Preisvergabe war das Laptop-Ensemble »Grainface« aus Studierenden des Instituts, in dem sich die Synthese aus musikalischer und musiktechnologischer Kompetenz erfolgreich darstellte. Seither ist dieses Ensemble unter dem neuen Namen »Benoît and the Mandelbrots« zu einem Aushängeschild des Instituts geworden, das mehrere Preise und internationale Einladungen verzeichnen kann.


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Musikwissenschaft

Das Phänomen Musik bietet verschiedene Zugangsmöglichkeiten: Man kann Musik spielen oder singen, man kann sie hören, man kann aber auch über sie nachdenken, sie beschreiben und sich über sie unterhalten. Der Begriff Musikwissenschaft bündelt unterschiedlichste theoretische Zugänge zur Musik, die heute nach drei Hauptrichtungen unterschieden werden: historische Musikwissenschaft als Disziplin, die sich mit der komplexen Vielfalt musikgeschichtlicher Vorgänge bis zur Gegenwart ausein­andersetzt, systematische Musikwissenschaft als Oberbegriff für Forschungsrichtun­gen wie Musikpsychologie, Musiksoziologie oder Instrumentenkunde, die sich an empirisch ermittelten Ergebnissen orientieren, und Ethnomusikologie, die sich mit der Erforschung außereuropäischer Musikkulturen befasst.

In der musikwissenschaftlichen Praxis sind die Grenzen zwischen diesen drei Haupt­gebieten fließend. Eine primär musikhistorisch vorgehende Untersuchung kann etwa von den Ergebnissen musiksoziologischer Studien enorm profitieren, wenn es darum geht, den Erfolg eines Komponisten, eines Werks oder einer Stilrichtung auch als gesellschaftliches Phänomen begreifbar zu machen. Schwerpunkt des Musik­wissen­­schaftsstudiums an der Hochschule für Musik Karlsruhe ist die historische Musik­wissenschaft mit einem Schwerpunkt auf der Musik nach 1600 bis in die Gegenwart, doch werden im Rahmen von Lehraufträgen regelmäßig auch Themen aus Berei­chen der systematischen Musikwissenschaft und der Ethnomusikologie behandelt.

   
   

Musikinformatik

Im Arbeits- und Forschungsspektrum der Musikinformatik, die einerseits eine sehr junge Disziplin ist, andererseits auf alte Wurzeln zurückgreifen kann, finden sich Teilbereiche aus den verschiedensten Disziplinen – von der Physik und Akustik über Hörphysiologie und Kognitionswissenschaften bis zu den Fragestellungen der Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. In der aktuellen Situation lassen sich drei Bereiche unter­scheiden: die angewandte Musikinformatik, wie sie in einer Vielzahl von digitalen Musikgeräten und –technologien unser ganzes Leben durchzieht; die künstlerische oder auch funktionelle Musik- und Medienproduktion einschließlich der Entwicklung neuer Software und Hardware, sowie als drittes der Bereich der Erforschung von musi­kalischer Intelligenz und Kreativität mit Mitteln und Methoden der Künstlichen Intelli­genz. Letztere profitiert wiederum von den spezifischen Fragestellungen, die sich aus der Beschäftigung mit Musik und ihren Ausformungen ergeben.

Im Studium der Musikinformatik an der Hochschule für Musik wird im Rahmen des Bachelorstudiums eine Grundlage für diese Bereiche der Musikinformatik gelegt, die im Masterstudium durch Wahl eines Schwerpunkts fokussiert werden kann. Regelmässige Meisterkurse mit Spezialisten aus aller Welt tragen wesentlich dazu bei, den Studierenden möglichst viele Aspekte des grossen Arbeitsfeldes der Musikinfromatik aufzuzeigen und zu vermitteln.

   

Studium allgemein

Das Bachelor-Studium der Musikwissenschaft und Musikinformatik vereint beide Disziplinen in unterschiedlich wählbaren Anteilen zwischen Haupt-, Kombi- und Ergänzungsfach. Im Master-Studium kann nur eines der beiden Fächer belegt werden, jedoch sind auch hier durch individuelle Studiengestaltung fachüber­grei­fende Studien nicht nur möglich, sondern auch erwünscht. Die Kombinations­möglichkeiten beider Disziplinen wurden von den Studierenden mehrfach positiv beurteilt. Dazu trägt auch bei, dass das Fach Musikwissenschaft die historischen Entwicklungen der Musik auch auf deren Bedeutung für die Gegenwart hin analysiert.

Das Bachelor-Studium ist als Grundstudium mit dem Ziel konzipiert, ein möglichst breites Wissen und praxisbezogene Erfahrungen zu vermitteln, um den Absolventen einen Einstieg in möglichst viele Bereiche beruflicher Musiktätigkeiten zu ermöglichen. Die bisherigen Absolventen zeigen, dass dieses Ziel hervorragend erreicht wird und viele Studierende zum Teil schon während der letzten Phase des Studiums eine berufliche Tätigkeit finden.

   

Studium der Musikwissenschaft

Das Studium der Musikwissenschaft im Bachelor ist mit wählbaren Anteilen der Musikinformatik verknüpft, es ist aber auch ein klassisches Drei-Fächer-Studium mit einem dritten Fach am Karlsruher KIT (Karlsruher Institute für Technologie, vormals Universität Karlsruhe) möglich. Das BA-Studium soll einen breiten Überblick über das Fach vermitteln und grundlegend in Themen und Methoden der Musikwissenschaft einführen.
Das Master-Studium setzt einen thematisch-methodischen Schwerpunkt auf die „Interpretation und Vermittlung von Musik“. Aufbauend auf den fachlichen Grundlagen, die im vorangegangenen BA-Studium oder einem diesem entsprechenden Grundlagenstudium erworben worden sind, soll die Kenntnis musikgeschichtlicher Prozesse und musikwissenschaftlicher Methoden vertieft werden. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Bereich „Aufführungspraxis und Interpretationsforschung“ zu, der nach dem Verständnis der Karlsruher Hochschule für Kompositionen aller Epochen und Stilrichtungen der Musikgeschichte bis hin zur Gegenwart von elementarer Bedeutung ist. Neben die Vertiefung von fachspezifischen Themen, Fragen und Methoden tritt als zweites Ziel der Erwerb von Kompetenzen im Bereich der Vermittlung von Musik in der Öffentlichkeit, durch die Absolventen des Studiengangs auf eine Berufstätigkeit in diesem Bereich vorbereitet werden sollen.

   

Studium der Musikinformatik

Im Fach Musikinformatik legt das Institut Wert auf die künstlerische und musikalische Ausprägung des Studiums und setzt sich damit deutlich von anderen Ausbildungsstätten ab, an denen überwiegend ein technisch orientiertes Fach Musikinformatik gelehrt wird. Das bedeutet natürlich nicht, dass die handwerklichen und wissenschaftlichen Grundlagen nicht gelehrt und erlernt würden, sondern dass diese immer in Bezug zu künstlerischen Produktionen gesehen werden. So wird auch das Programmieren als eine dem Komponieren gleichwertige kreative Tätigkeit verstanden und gelehrt.
Bereits im Bachelor-Studium ist die Ausbildung eines Vertiefungsfaches möglich mit den Wahlmöglichkeiten  Komposition/Sonic Arts, Medienproduktion, sowie Software-Entwicklung für kreative Anwendungen. Im Master-Studium können die entsprechenden weiterführenden Schwerpunkte sowie der Schwerpunkt »Musik, Kreativität und Künstliche Intelligenz« gebildet werden, zusätzlich ist hier auch eine individuelle Schwerpunktbildung möglich.

In beiden Fächern, Musikwissenschaft und Musikinformatik, ist ein Promotionsstudium, das zum Erwerb des akademischen Titels eines „Doktors der Philosophie“ (Dr. phil) führt, möglich. Ein Doktorandenkolleg befindet sich im Aufbau.

Weitere Informationen finden sich unter der Rubrik »Studiengänge«; eine Übersicht über das Lehrangebots des laufenden Semesters vermitteln die Angaben unter »Lehrveranstaltungen«.

   

Kooperationspartner

Durch die Einbindung des Instituts in das musikalische Leben einer Hochschule für Musik ergeben sich für Studierende und Dozenten vielfältige Möglichkeiten der Teilnahme an gemeinsamen Musikaktivitäten. Darüberhinaus bestehen zahlreiche Kooperationen zu regionalen Institutionen wie dem Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM), der Hochschule für Gestaltung, dem Max-Reger-Institut, aber auch zu nationalen und internationalen Partnern wie CITAR (Portugal), Université de Strasbourg, der Fraunhofer-Gesellschaft  sowie zur Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau.

 

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